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Endlich scharfe Bilder

Ich glaube kaum etwas frustriert FotografInnen so lange, wie ein unscharfes Bild. Ich kann da nur aus eigener Erfahrung als Portraitfotograf sprechen. Ein Bild richtig zu belichten, das war digital zumindest nie wirklich schwer, denn das macht die Kamera für mich, zu verstehen, wofür man welches Objektiv hernimmt, das fing bei mir erst erheblich später an und war weniger Frust als ganz großes Aha:

Aber bei dieser Sache mit der Schärfe, an der bin ich sehr lange gesessen und guess what, Ich hab das Thema natürlich wieder und dieses Mal im analogen und mit wieder neuen Problemen und Ursachen. Also fangen wir mal direkt mit der grunsätzlichen frage an.

Warum sind wir so auf Schärfe fixiert?

Schärfe in Bildern war lange, lange der Standard wie gut ein Objektiv verarbeitet und gebaut ist. Andere Faktoren wie Handling, Farbwiedergabe, Blendenöffnung und so weiter mal außen vor gelassen; fanden doch jene Objektive besondere Plätze im Herzen von Fotografen, die so richtig knackscharfe Bilder lieferten.

Und das hat einen guten Grund, schließlich empfinden wir ein Bild häufig als echter und dreidimensionaler, wenn die Schärfe so richtig sitzt. Die schärfsten Bilder waren auch lange nur den Profis vorenthalten, da Objektive/Kameras von Karl Zeiss, Voigtländer, Leica oder Hasselblad viel zu teuer waren, um sich bei den Normalverbrauchern durchzusetzen.

Dementsprechend hatte die Schärfe der Bilder der Profis auch immer etwas Sehnliches und Reizendes. Natürlich erkannten das HerstellerInnen und IngenieurInnen auch, bis heute herrscht ein massiver Wettbewerb, wer die größte Auflösung, Details und Schärfe liefern kann.

Die häufigste Ursache für unscharfe Bilder

Die Gründe für unscharfe Bilder sind sehr vielfältig. In seltenen Fällen liegt es an der Technik, wie zum Beispiel ein Sucher auf der auf die Dioptrien des brilletragenden Vorbesitzers eingestellt wurde, ein defekter Sensor oder Objektiv, bei analogen Kameras kann es auch an falsch justierten Spiegel oder Spiegelplatte liegen.

In meisten Fällen ist es wie erwartet, der Benutzer und nicht die Kamera. Meiner Erfahrung nach ist der häufigste Grund für unscharfe Bilder schlicht und einfach verwackeln der Kamera beim Auslösen. Wer im Automatik-Modus fotografiert hat keinen Einfluss auf die Verschlusszeit, bzw. die Belichtungszeit und eben genau diese ist entscheidend für die Schärfe eines Bildes (vereinfacht betrachtet).

Die meisten Digitalkameras haben einen TV-Modus, in diesem stellt man die Belichtungszeit selbst ein.
Generell gibt es die Faustregel, die Festbrennweite des Objektives zu verdoppeln und als Bruchteil einer Sekunde zu verwenden: Das heißt bei einem 50 mm Objektiv fotografieren wir mit mindestens 1/100 Sekunde.

Benutzt man ein Zoomobjektiv hängt es davon ab, wie weit man hineinzoomt: Bei einem 24 bis 85 mm Objektiv ist es bei minimalen Zoom mindestens eine 1/48 Sekunde und beim maximalen Zoom mindestens 1/160 Sekunde.

Und das sind lediglich die Belichtungszeiten bei einem relativ still stehenden Motiv. Möchte man beispielsweise SportlerInnen in Action einfrieren, dann kann man schon mal eine Belichtungszeit von 1/1000 Sekunde einrechnen.

Wer häufig mit unscharfen Bildern zu kämpfen hat, dem empfehle ich also in erster Linie mit der Belichtungszeit zu üben.

Achtung: Isorauschen!

Natürlich heißt das nicht, dass man die Belichtungszeit ohne Konsequenz so kurz halten kann, wie es einem gefällt, denn je kürzer man die Belichtungszeit hält, desto mehr muss die Kamera für das wenige Licht kompensieren.

Das passiert zum einen dadurch, dass sie Ihre „Pupille“ bzw. die Blende weit öffnet und zum anderen durch einen erhöhten ISO-Wert. Die ISO ist in etwa wie ein Bildaufheller und hilft dabei ein anständig belichtetetes Bild zu bekommen. Lässt man der ISO allerdings zu freien Lauf entsteht schnell unschönes Bildrauschen und Detailverlust.

Die ISO im Blick zu haben ist also unverzichtbar. Je nach Kameramodell fällt das Bildrauschen mal mehr oder weniger auf. Aus meiner Erfahrung mit drei Jahren Canon EOS RP, versuche ich nicht unter einen ISO-Wert von 1200/1600 zu kommen.

Häufig geht eine kurze Belichtungszeit auch mit einer weit geöffneten Blende einher, was für Unschärfe im Hintergrund sorgt.

Andere Gründe für unscharfe Bilder

Eine zu kurze Belichtungszeit ist meines Erachtens unweigerlich der Hauptgrund für unscharfes Bildmaterial, es gibt natürlich noch einen zweiten Platz in meiner Erfahrung und dieser ist, dass der Fokus nicht richtig sitzt.

Autofokussysteme, wenn man sie zur Verfügung hat, sind großartige Werkzeuge und werden kontinuierlich weiterentwickelt. An ihre Grenzen stoßen sie teilweise, wenn es um BrillenträgerInnen, schlechte Lichtverhältnisse oder kleine Details im Vordergrund geht. In diesem Fall hilft häufig nur der manuelle Fokus.

Erfreulicherweise haben viele Digitalkameras inzwischen eine „Focus Peaking“ Funktion, welche den momentanen Fokusbereich der Kamera beim manuellen Fokussieren anzeigt. Eine schnelle Googlesuche verrät ob die eigene Digitalkamera über so eine Funktion verfügt.

Eine andere Möglichkeit ist es schlicht beim manuellen Fokussieren zu vergrößern, mit bspw. der „Lupen-Taste“ die man an vielen Kameras findet und so genaustens ins Detail zu fokussieren. Ähnlich hat man das auch bei älteren analogen Kameras gemacht, diese hatten häufig ein Vergrößerungsglas/Lupe eingebaut und auch bei schwierigen Motiven den Fokus perfekt zu treffen.

Auch nicht zu vergessen ist der minimale Fokusabstand zu einem Motiv, denn manchmal ist man mit dem Objektiv schlicht zu nah dran und die Kamera kann de facto gar nicht scharf stellen. In dem Fall hilft es nur einen Schritt zurück zu machen, ein anderes Objektiv zu benutzen oder sich einen Makro-Adapter zu besorgen.

Übrigens, je höher die Blendenzahl, desto mehr ist im Fokus. Wer mit Blende f8 fotografiert, der wird einen Großteil des Bildinhaltes zwangsweise scharf haben. Mit Blende f1.2 hingegen kann es schon mal nur eine einzelne Wimper sein, die im Fokusbereich liegt. Nur für das Einstellen der Blende verwendet man typischerweise den AV-Modus der Kamera, auch hier gilt, ein Auge auf die ISO-Werte zu haben.

Ein hoher Blendenwert (z.B. f11) heißt, dass sich der Fokus/das Licht gleichmäßiger auf dem Bild verteilt, was für ein sehr scharfes Bild von Vorder- bis Hintergrund sogt.

Mehr Erfahren in anderen Blogeinträgen oder im Workshop

Das waren sie, meiner Meinung nach, die häufigsten Gründe für unscharfe Bilder. Das wichtigsten ist und bleibt natürlich Praxis, deswegen empfehle ich immer eine Information nach der anderen mit nach draußen zu nehmen, mit der Kamera und direkt zu üben.

Falls du dich für mehr fotografische Themen interessierst, dann werfe doch gerne einen Blick auf die anderen Blogeinträge mit dem Thema Fotografie oder buche direkt ein Coaching bei mir, falls du individuelle Beratung brauchst.

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