
Übersicht:
Ein Genre dem ich ausgewichen bin
Ich habe schon sehr lange mit der Doppelbelichtungs-Fotografie geliebäugelt, aber ehrlich gesagt, hat sie mir dann doch ein bisschen viel Respekt einjagt. Denn zum einen, wusste ich nicht wirklich genug darüber, wie sie überhaupt technisch funktioniert und zum anderen, gibt es bereits so viele großartige Beispiele da draußen, welche bereits die “besten” Motive fotografiert haben.
Drei Herangehensweisen für Doppelbelichtungen
Heutzutage gibt es mehrere Möglichkeiten, Doppelbelichtungsfotografie anzugehen, und ich denke, es lohnt sich, die alle kurz aufzulisten, bevor es um meine eigene Erfahrung geht — denn die Methode, die man wählt, sagt schon eine Menge darüber aus, was man eigentlich herausholen möchte.
Die erste — und für mich coolste — Variante ist die auf Film. Man belichtet einen Film, spult zurück und belichtet ihn ein zweites Mal. Genau so wollte ich Doppelbelichtungsfotografie ursprünglich erleben, und warum das nicht ganz geklappt hat, erkläre ich gleich.

Eines der gelungeneren Dopppelbelichtungsbilder auf Film von einer Point and Shoot.
Die zweite Methode ist der In-Kamera-Ansatz mit einer Digitalkamera. Die meisten etwas komplexeren Mittelklasse-Kameras haben diese Funktion eingebaut. Man macht das erste Foto, und die Kamera zeigt einem eine transparente Überlagerung davon, über die man das zweite Bild komponieren kann. Das ist wahrscheinlich der zugänglichste Weg für Doppelbelichtungen — und letztendlich war es der Weg, den ich genommen habe, wenn auch nicht ganz freiwillig.
Die dritte Methode ist Photoshop. Du nimmst zwei Bilder, stapelst sie nachträglich zusammen und mischst sie. Ich würde diese Methode als die sicherste bezeichnen, da du nicht darauf angewiesen bist, dass es perfekt in der Kamera funktioniert – sondern du kannst im Wesentlichen alles tun, nachdem die Bilder bereits aufgenommen wurden – oder du könntest einfach ein altes Bild verwenden, oder Bilder die du gar nicht geschossen hast.
Und dann, mit dem Aufkommen von KI, gibt es nun eine vierte Option: einfach Prompts benutzen um ein Doppelbelichtungsbild zu generieren – was wohl am weitesten, von einem künstlerischen Film-Ansatz entfernt ist.
Der gescheiterte Filmversuch
Ich musste den Film sehr früh in diesem Projekt aussortieren, und der Grund dafür war frustrierend praktisch: Ich konnte meinen Blitz-Receiver nicht an meiner Filmkamera anschließen. Diese Erkenntnis kam, als ich noch in der Vorbereitungsphase war – ich hatte bereits einen Hintergrund in meinem Wohnzimmer-Studio aufgebaut, Blumen gekauft und eine Methode ausgearbeitet, um einen Startpunkt auf einer Filmrolle zu markieren, sodass ich die gleichen Aufnahmen zweimal doppelt belichten konnte. Die Realität war jedoch: Das Licht verschwand zu schnell und wenn das mit den Bildern etwas werden sollte, brauche ich einen Blitz.
Im Nachhinein war das wahrscheinlich die richtigere Entscheidung — auch wenn es sich zu dem Zeitpunkt nicht so angefühlt hat. Ich musste erst mal den digitalen Prozess durcharbeiten, um überhaupt zu verstehen, wie man theoretisch so ein Bild auf Film umzusetzt. Und ich habe den digitalen Prozess lange nicht “gemeistert”.
Der digitale Prozess — nicht so einfach wie erwartet
Der Wechsel zur Digitalkamera hat die Sache nicht auf magische Weise vereinfacht – eher auf andere Art und Weise erschwert. Für diese Aufnahmen habe ich meine Canon R5 verwendet: für die Portraits von Anna habe ich Sigma Art-Objektive benutzt. Für die Blumen-Nahaufnahmen, die ich später über die Portraits legen wollte, habe ich auf das Pentax 105 mm f2.4 Mittelformat Objektiv gewechselt, das ursprünglich für die Pentax 6×7 gebaut wurde, kombiniert mit einem Makro-Ring für die nötige Detailschärfe.
Mit zwei komplett unterschiedlichen Objektiven für die beiden Ebenen zu arbeiten, war eine eigene Herausforderung. Der Ablauf sah so aus: Portrait mit dem Sigma aufnehmen, irgendwas um die 50 mm, was sich gut für Portraits eignet. Dann, während die Kamera das erste Bild noch im Speicher hält, Objektiv wechseln — das Pentax 105 mm mit dem Makro-Ring montieren, das Blumenbild aufnehmen, beide Bilder von der Kamera zusammenführen lassen und dann auf den Bildschirm schauen, ob irgendetwas Brauchbares dabei herausgekommen ist
Die zweite Ebene zu komponieren, während man eine transparente Überlagerung des ersten Bildes auf dem Display sieht und versucht feine Blumendetails auf einem halb-sichtbaren-Portrait scharfzustellen, ist milde gesagt frickelig.
Und das alles, ohne zu erwähnen, dass das Pentax 105mm auf der Canon R5 ein schwerer Brocken ist — wir reden von etwa zwei bis drei Kilo. Also schon von Anfang an: Der digitale Ansatz war deutlich weniger mühelos, als ich erwartet hatte.
Belichtung und Blitz: Das größte Kopfzerbrechen
Hier sah ich das größte kreative Potenzial des gesamten Projekts — und gleichzeitig musste ich hier am härtesten nachdenken. Es gab zwei Dinge, die ich beim Einstieg nicht richtig verstanden hatte: wie die Canon R5 die beiden Belichtungen eigentlich kombiniert, und wie die Blitzleistung mit der Überlagerung interagiert.
Beim ersten Punkt habe ich bis heute kein vollständig klares Bild. Aus meiner bisherigen Erfahrung scheint es so, dass die Kamera die beiden Bilder so gut wie möglich ausbalanciert, unabhängig davon, wie sehr man eines davon überbelichtet — anstatt einfach zu stapeln, was man ihr gibt. Das ist deshalb relevant, weil man auf Film grob ausrechnen kann, dass eine hellere Belichtung des ersten Frames diesen im Endergebnis als subtilere Ebene erscheinen lässt. Digital gilt diese Logik nicht unbedingt, und das musste ich durch Ausprobieren herausfinden, nicht durch irgendeine klare Dokumentation.
Beim Thema Blitz wurde es schnell kompliziert. Ich arbeitete mit zwei Ebenen — dem Portrait und den Blumen — und wollte, dass eine klar dominanter ist als die andere. Konkret hatte ich ein sehr klares Bild im Kopf davon, wie das Endergebnis aussehen sollte. Was mir fehlte, war ein Plan, wie man das technisch umsetzt. Also wurde es ein langer Prozess aus Blitzstärke anpassen, Verschlusszeit verändern, und Notizen im Kopf machen.
Die Metadaten haben mich dabei auch nicht helfen können. Wenn die Kamera zwei Bilder zu einer Datei zusammenführt, speichert sie nur die Belichtungsdaten eines der Bilder — entweder des ersten oder des zweiten — nicht beider. Nachzuvollziehen, welche Einstellungen zu welchem Ergebnis geführt haben, ist im Nachhinein also praktisch unmöglich.
Am Ende der Session hatte sich meine beste Herangehensweise ungefähr so eingependelt: ein Blitz, stark genug, um den weißen Hintergrund sauber auszuleuchten, plus ein Hauptlicht, das beim Portrait eine relativ neutrale bis leicht dramatische Stimmung erzeugt. Für die Blumenebene ein gut ausgeleuchtetes Bild, das möglichst viel Detail erhält. Das Ziel war, dass das endgültige zusammengeführte Bild eher als Textur als als Drama lesbar ist — und wenn es funktioniert hat, hat es wirklich gut funktioniert:

Darktable vs. Lightroom: Warum eine kostenlose Software besser war
Nachdem ich die Bilder hatte, habe ich zwei Bearbeitungsprogramme benutzt. Zuerst habe ich Darktable ausprobiert, war nicht zufrieden mit meinen edits, also zurück zu Adobe Lightroom (der Rasen ist immer grüner…). Um schnell festzustellen, dass ich auch mit Lightroom nicht das gewünschte Ergebnis erzielen konnte.
Eine der größten Herausforderungen bei der Bearbeitung war der Hintergrund. Mein ursprüngliches Ziel war es, den weißen Hintergrund in einen neutralen Grauton zu verwandeln. Sowohl Darktable als auch Lightroom konnten dies jedoch nicht sauber machen, da diese Doppelbelichtungsbilder eine so komplexe Mischung aus Tönen und Farben enthalten. Der Versuch, die Weißtöne in Grau zu verschieben, zog dabei alles andere mit. Die technisch saubere Lösung wäre gewesen, den Hintergrund zu entfernen und durch einen grauen zu ersetzen – aber das wäre gegen meine Philosophie für dieses Projekt verstoßen, nämlich, die Bilder so wenig wie möglich zu beeinflussen. Also habe ich den weißen Hintergrund gelassen und weitergearbeitet.
Im Endeffekt, hat mir Darktable mehr Kontrolle über die verschiedenen Helligkeitsstufen innerhalb des Bildes und feinere Kontrastanpassungen als Lightroom gegeben.
Die Möglichkeit, in den tonalen Bereichen detailliert zu arbeiten, hat für so komplexe Bilder wirklich einen Unterschied gemacht. Hier ist ein Before and After, bei dem ich insbesondere die Werkzeuge Farbbalance RGB, Farbbalance, Farbkalibrierung und Helligkeitsanpassung, für Feinabstimmung des Kontrasts, Arbeit mit den Farbschichten und das Herausfiltern von Details aus den Blumentexturen – es war eine sorgfältige und zeitaufwändige Aufgabe (und das hat mir geholfen darüber hinwegzukommen, dass ich die gesamte Serie nicht auf Film geschossen habe):


Nur am Rande erwähnt, ich habe ein Adobe-Account, der noch aktiv ist und trotzdem hat sich Darktable zu meinem Haupt-Bearbeitungswerkzeug entwickelt. Bessere Leistung, höhere Stabilität, detailliertere Arbeitsabläufe und das alles kostenlos, dass nicht mehr Menschen von diesem Programm wissen ist für mich komplett unverständlich.
Die Ergebnisse und was mir wirklich gefallen hat
Nicht jedes Bild hat es natürlich in den finalen Schnitt geschafft. Viele der Blumen-Nahaufnahmen waren an den entscheidenden Stellen ein bisschen unscharf, und bei einigen war ich mit den gewählten Blumentexturen oder ihrer Positionierung im Bild einfach nicht zufrieden. Die habe ich ohne großes Bedauern aussortiert.
Aber die, die funktioniert haben — die mag ich wirklich. Ich bin mit diesen Ergebnissen zufrieden. Und wenn ich zurückschaue, was die stärksten Bilder ausmacht, fiel mir eines sehr klar auf: Die Aufnahmen, bei denen ich wirklich versucht hatte, die Blumen um bestimmte Bereiche des Portraits herum zu formen — auf einen Bereich fokussiert statt auf das gesamte Bild — waren durchweg die besten. Intentionalität in der Komposition hat einen sichtbaren Unterschied gemacht, selbst bei Bildern, die zum Teil durch Gefühl entstanden sind.
Fazit und was ich beim nächsten Mal anders machen würde
Es war wieder mal ein Projekt, das mich daran erinnerte, warum ich das Unbekannte in der Fotografie so liebe. Einfach etwas zum ersten Mal probieren, Fehler machen, dazu lernen, etwas das ich inzwischen in der Fotografie nicht mehr so häufig erleben darf.
Auch dass ich von Film-Konzept auf digitale Fotografie gewechselt bin, stört mich nicht wirklich: Dafür war der Lerneffekt zu groß und das Beste ist, da gibt es noch eine ganze Menge zu lernen.
Für den nächsten Shoot würde ich ein paar Dinge anders angehen. Ich würde mit einer größeren Softbox arbeiten, um den Hintergrund gleichmäßiger auszuleuchten. Ich würde mir mehr Gedanken darüber machen, wie ich die Blumen bei der zweiten Belichtung halte und positioniere — vielleicht sogar eine kleine Konstruktion bauen, um sie präziser platzieren zu können, statt sie die ganze Zeit in der Hand zu halten. Und ich würde mir vorher ein Spickzettel anlegen: Testaufnahmen der Blumen machen, die exakten Blitzeinstellungen und Belichtungswerte für die gewünschte Ebenengewichtung herausarbeiten, und das alles aufschreiben. So weiß ich genau, womit ich arbeite, bevor das Model überhaupt im Studio steht.
Apropos Model — Anna war das Rückgrat dieses Portfolio-Projekts, daher wieder Mal vielen Dank für das professionelle modeln und Durchhaltevermögen.
Das ist übrigens gerade erst ein Interview mit dem Akt- und Fine-Art-Fotografen Alex Soller geführt. Eine Richtung, in der ich mich über die Jahre langsam versuche zu orientieren — und ich würde immer noch nicht sagen, dass ich mich darin wirklich sicher fühle.
Aber vielleicht bringt mich das hier ein Stück näher dran, besonders wenn es darum geht, diese Art von Bild mit echter gestalterischer Absicht dahinter zu produzieren. Wie auch immer, danke fürs Lesen. Ich hoffe, ihr habt etwas daraus mitgenommen, und wir sehen uns im nächsten Beitrag.

















