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Bye Adobe: Warum ich mich nach Alternativen umschaue

Shooting mit Alex Soller und Sophie Dean in München.

(Coverbild: Alex Soller und Sophie Dean während eines Fotoshoots in München)

Eventuell habt ihr es ja mitbekommen: Es gibt eine Kontroverse aus dem Haus Adobe, diesmal bezüglich der neuen Nutzungsbedingungen. Nutzer*innen werden von den Programmen ausgesperrt, solange sie nicht zustimmen, dass Adobe in alle ihre Projekte und Arbeiten einblicken darf. Offiziell geht es, unter anderem, um den Schutz vor Missbrauch der Software.

Im Endeffekt dürfte es aber jedem klar sein: Adobe hat beinahe ein Monopol auf Kreativwirtschafts-Software und sitzt damit auf einem Datenschatz wie keine andere Firma. Schließlich benutzt der Großteil der Kreativindustrie, von Design über Bilder bis zur Filmbranche, ein Adobe-Programm. Es ist also sehr verlockend für den Software-Giganten, an dieses Material für das Training der hauseigenen KI Firefly heranzukommen.

Diese Herangehensweise ist übrigens nichts Neues. Schließlich hat Adobe Stockbilder, Videos, Designs und Illustrationen, die Nutzer*innen in Adobe Stock hochgeladen haben, zum KI-Training verwendet. Die Nutzer*innen wurden dafür übrigens nicht um Erlaubnis gefragt. Stattdessen wurden die Nutzungsbedingungen angepasst, und viele Rechteinhaber*innen haben es nicht rechtzeitig gemerkt, dass ihre Werke gerade von einer KI eingelesen werden.

Adobe beißt die Hand, die es füttert

Das stößt besonders sauer auf, da Adobe gerade eine Werbekampagne gestartet hat mit dem Slogan “skip the photoshoot“. Man soll also direkt das Shooting auslassen und die Bilder mit der KI-Software Firefly erstellen. Das ist besonders bitter, wenn man bedenkt, dass Firefly damit direkt den Markt aller Künstler*innen zerstört, die es unwissend mit ihrem geistigen Eigentum gefüttert haben.

Es ist nichts Neues, dass Medienmaterial von großen Unternehmen für eigene Zwecke ausgelesen wird. Aber bei den neuen Nutzungsbedingungen gibt es einen entscheidenden Unterschied: Es handelt sich nicht um Werke, die im Internet veröffentlicht werden, sondern um solche, die auf unseren Festplatten liegen und über die Programme in Kontakt mit der Cloud kommen, also unveröffentlicht und in privaten Besitz.

Das kann von Familienbildern über private Urlaubseinblicke bis hin zu intimen Aufnahmen für Kund*innen reichen, die ein Boudoir-Shooting gebucht haben. Adobe räumt sich das Recht ein, alles auszulesen, was in Kontakt mit ihrer Cloud gekommen ist.

Mehr zu diesem Thema gibt es übrigens hier zu lesen, denn darum soll es in diesem Blogpost gar nicht gehen. Das Thema wird bereits von Expert*innen auseinandergenommen, die sich weit besser damit auskennen. Es handelt sich um einen Prozess, der sich im Moment noch entwickelt. Die hier genannten Informationen könnten sich nächste Woche schon geändert haben.

Stattdessen schauen wir uns meine Bedürfnisse an eine Kreativsoftware an, mit der ich Adobe langfristig ersetzen kann, welche Anforderungen sie nach fünf Jahren Photoshop und Lightroom erfüllen muss und welche Programme ich mir anschauen werde. Bzw. wo eine neue Software eventuell auch Bedürfnisse erfüllen kann, die mir bei den Adobe-Produkten schlicht fehlen oder mich stören.

Meine Ansprüche nach fünf Jahren Adobe-Software

Nach fünf Jahren Arbeit mit Lightroom Classic und gelegentlich Photoshop hat sich mein gesamter Workflow als Fotograf auf diese beiden Programme abgestimmt. Eine Alternative muss also große Fußstapfen füllen können, denn es gibt einiges, was diese Programme wirklich gut machen.

Eine übersichtliche Bildbibliothek mit praktischem Import

Innerhalb von Lightroom habe ich Bilder von 2019 bis 2024 in verschiedenen Strukturen und Ordnern angelegt. Das sind über 47.000 Bilder von Aufträgen, Portfolio-Projekten und privaten Arbeiten, gefüttert mit Farbcodes, Metadaten und Stichwörtern. Ich könnte jederzeit ein Projekt von 2021 wieder öffnen und direkt dort weiterarbeiten, wo ich vor drei Jahren aufgehört habe.

Zudem sind sämtliche Bearbeitungsschritte von jedem einzelnen Bild im Programm gespeichert und können jederzeit angepasst/verändert werden.

Außerdem sind von mir erstellte und gekaufte Presets, quasi komplexere Bearbeitungsfilter, fest integriert und auf Mausklick verfügbar. Das erleichtert nicht nur den Bearbeitungsprozess massiv, sondern gibt mir auch die Möglichkeit, meinem eigenen Bearbeitungsstil treu zu bleiben und zwischen einer Vielzahl von möglichen Looks schnell zu wechseln.

Diese Presets sind übrigens an Lightroom gebunden. Das heißt, ich werde in Zukunft auf sie verzichten müssen. Das hätte ich noch vor einem Jahr undenkbar gefunden, aber da ich immer weniger bearbeite und versuche, die Bilder so authentisch wie möglich zu behalten, stört mich der Gedanke immer weniger.

Was allerdings nicht wegzudenken ist, ist die Möglichkeit, viele Bilder gleichzeitig zu bearbeiten. Habe ich von einer Szene z.B. 30 Aufnahmen, möchte ich nicht jedes Bild einzeln bearbeiten, sondern die Anpassungen auf sämtliche Bilder übertragen können. Das funktioniert in Lightroom Classic sehr gut.

Ein Nachfolger muss also gute Übersicht bieten und die Möglichkeit, Bearbeitungsschritte auf mehrere Bilder gleichzeitig zu übertragen. Ansprüche, die mir wenig Sorgen bereiten. Um die riesige Datenbank mit all den Anpassungen wird es trotzdem schade sein, obwohl mich der Gedanke, alle diese Informationen und Bilder nicht mehr an einem Ort zu haben, auch ein wenig erleichtert.

Das werde ich vermissen: Integration mit Photoshop

Eine der größten Stärken, und vielleicht auch ein Fluch, ist die praktische Integration und Verbindung zu anderen Adobe-Produkten. Lightroom ist fantastisch für eine schnelle Bearbeitung, den Export von Bildern und die Übersicht. Wenn es ins Detail gehen soll, kann man aus Lightroom direkt in Photoshop wechseln und hat alle Werkzeuge zur Verfügung, die man für den Feinschliff braucht.

Außerdem ist Photoshop, bewaffnet mit den Möglichkeiten von Firefly, so einfach zu bedienen wie nie zuvor (Spoiler: Es ist trotzdem ein ziemlich kompliziertes Programm) und lässt seine Nutzer*innen ehemals komplexe Arbeiten mit wenigen Klicks erledigen. Zwar benutze ich Photoshop vergleichsweise selten, aber wenn es zum Beispiel um das Entfernen von Objekten geht, kann ich mir schwer ein Programm vorstellen, das so gut und einfach funktioniert wie Photoshop.

Es ist sehr praktisch, intuitiv, und die Integration von Photoshop-Dateien innerhalb der Datenbank von Lightroom ist schwer wegzudenken. Das ist auch ein Fluch, denn es macht Nutzer*innen abhängig von einer Vielzahl verschiedener Programme, die zusätzliche Kosten verursachen.

Ich hoffe, dass ich eine Software finde, die die Funktionen von Photoshop direkt in Lightroom anbietet. Es bereitet mir allerdings Kopfschmerzen, ob es so etwas in einem vergleichbaren Ausmaß überhaupt gibt.

Wenig genutzt, aber sinnvoll: Mobile-App und Cloud

Mit einem Adobe-Abo bekommt man übrigens auch 20 GB an Cloud-Speicher, mit dem man zum Beispiel zwischen der Lightroom Mobile und der Desktop-Variante praktisch von unterwegs Bilder bearbeiten könnte, wenn man wollte.

In der Praxis habe ich die Mobile-App aufgrund ihrer eingeschränkten Bearbeitungsmöglichkeiten nicht so häufig benutzt. Praktisch war sie trotzdem, gerade wenn man an einer Location direkt Bilder von der Kamera aufs Handy laden und diese vorbearbeitet schnell exportieren wollte. Bei Presseterminen oder Hochzeiten konnte ich direkt von dem Event aus einfach mit meinem Handy Bilder bearbeiten und innerhalb von wenigen Minuten weitergeben.

Eine Alternative mit einer Mobile-App wäre also sehr praktisch für genau diese Momente.

Die Cloud ist dabei natürlich auch praktisch, von mir allerdings kaum genutzt, da die Mobile-App nur JPEGs und keine RAW-Bilder verarbeitet und ich am Desktop RAW-Dateien bevorzuge. Es gibt auch die Möglichkeit, Online-Galerien zu erstellen und zur Auswahl und Bewertung an Kund*innen/Freund*innen zu schicken. In der Theorie ziemlich cool, aber Adobe erlaubt den Zugriff nur Betrachter*innen mit einem Adobe-Account. Blöd, denn sonst wäre es ein tolles Feature gewesen.

Fülle an Plugins, wie zum Beispiel Negative Lab

Etwas, was leider nicht ersetzbar sein wird, sind die Plugins, die direkt für Lightroom und Photoshop produziert wurden. Als Marktführer werden natürlich viele Plugins für Adobe-Produkte geschrieben, und die Konkurrenz ist häufig eher in Nischen.

Für die Bearbeitung von Negativen, geschossen auf Film, benutze ich beispielsweise Negative Lab Pro, ein Plugin, das es nur für Lightroom Classic gibt. Damit ist es eines von vielen Zusatzprogrammen, die ich mir für Lightroom und Photoshop gekauft habe und auf die ich in der Zukunft verzichten muss.

Darauf bin ich gespannt: Was mir Adobe nicht geboten hat

Adobe ist zwar der Marktführer, aber das heißt nicht, dass sie in jedem Feld den Goldstandard setzen. Ich freue mich darauf, komplett neue Software für mich zu entdecken und herauszufinden, welche neuen Möglichkeiten sich mir erschließen werden. Hier sind Dinge, die ich definitiv nicht bei Adobe vermissen werde und wo eine Alternative bei mir punkten kann.

Weg von Abo-Modell

Eine Sache, die mir bei Adobe sehr sauer aufstößt, ist der Abo-Zwang. Sämtliche Produkte gibt es nicht für einen einmaligen Preis zu kaufen, stattdessen verpflichtet man sich zu monatlichen Zahlungen, um diese nutzen zu dürfem

Ich gehöre aber zu jenen Nutzer*innen, die ein Produkt, besonders im Arbeitskontext, gerne besitzen und nicht leihen. Besonders, wenn dieses Produkt jederzeit im Preis schwanken kann oder sich die Benutzungsbedingungen von einem Tag auf den nächsten ändern können, wie wir es im Moment wieder schmerzhaft zu spüren bekommen.

Zudem brauche ich die meisten der Updates überhaupt nicht und ich habe im Laufe der Jahre heftige Performance-Schwankungen nach eben diesen erlebt. Es ist sehr frustrierend, wenn Lightroom Classic von einem Monat auf den nächsten plötzlich instabil läuft und ständig hängen bleibt, nur weil die Software ein neues experimentelles Feature, wie Gesichtserkennung oder künstliche Unschärfe, integriert bekommen hat.

Features, die ich überhaupt nicht brauche und die ich außerdem datenschutztechnisch fraglich finde. Schließlich möchte ich gar nicht, dass man auf Knopfdruck Datensätze von mir fotografierten Personen abrufen kann.

Beispiel DaVinci gegen Premiere: Festpreis statt Abo-Zwang

Und es geht auch fantastisch ohne Abo mit Festpreis-Produkten. Adobe Premiere ist der Standard für Videobearbeitung, ich habe allerdings von Anfang an auf die Software verzichtet und mich für die Festpreis-Konkurrenz DaVinci entschieden.

Nach zwei Jahren und einer Handvoll Video-Projekte ist mir die Software nicht ein einziges Mal abgestürzt. Sie läuft wahnsinnig flüssig, ist einfach zu erlernen und bietet eine Vielzahl von Werkzeugen an. Einfach ein klasse Programm, das nicht mal viel Rechenpower von meinem System klaut.

Was mich zu etwas bringt, was ich garantiert nicht vermissen werde.

Performance und Stabilitäts Probleme mit der Adobe Suit

Ich habe es zuvor bereits angedeutet, dass Lightroom über die Jahre mit Update über Update immer wieder mit Performance-Schwierigkeiten auf meinem System zu kämpfen hatte und hat. Ich habe in den letzten drei Jahren mindestens 1.200 Euro in Hardware gesteckt, um den steigenden Anforderungen von Lightroom und Photoshop gerecht zu werden (neue Grafikkarte, Arbeitsspeicher, Wechsel auf SSDs und so weiter).

Das Verrückte dabei ist, ich mache mit wenigen Ausnahmen eigentlich immer noch exakt dieselben Arbeitsschritte in den Programmen: Mein Workflow und meine Anforderungen haben sich nicht verändert, die Software wird nur von Jahr zu Jahr hungriger. Und das ist unabhängig davon, ob ich einen leeren Katalog mit 100 Bildern oder einen massiven mit 47.000 benutze.

Und selbst jetzt, nachdem ich meinen Computer auf den Stand eines Gaming-PCs aufgerüstet habe, muss ich ihn regelmäßig neu starten, damit die Adobe-Programme wieder flüssig laufen. Die Software stürzt mir fast täglich ab, und mit jedem Update kann es passieren, dass vorherige Arbeitsschritte plötzlich die dreifache Zeit in Anspruch nehmen.

Gebunden an amerikanische Gesetzeslagen

Mal ehrlich, gerade in den letzten Jahren dringen amerikanische Monopolkonzerne immer häufiger in die Privatsphäre ihrer Nutzer*innen ein und es scheint auch nicht abzubrechen. Die Gesetze, international, kommen nicht mit den Veränderungen mit und im Endeffekt heißt das, dass wir sehr genau hinschauen müssen, was mit unserem Alter Ego im Internet passiert.

Eventuell uns sogar zurückziehen sollten, bis die Gesetzeslage angepasst wurde.

Ich bevorzuge dabei europäische Hersteller*innen, weil ich mir bei eben diesen sicher sein kann, dass zumindest die Grundlage sicherer ist als in den Staaten, wenn es um den Schutz meiner Daten geht. Also für mich ein nice to have.

Übrigens auch gerade sehr aktuell, da der Großkonzern Meta jetzt sämtliche Daten seiner Nutzerinnen außerhalb der EU, ob sie wollen oder nicht, für das Training der hauseigenen KI einkassieren wird. Nur Bürgerinnen der EU werden von diesem massiven Eingriff vorerst beschützt. Es liegt also nahe, sich in Zukunft direkt an europäischen Unternehmen zu orientieren und, wenn möglich, sich direkt von diesen Monopol-Giganten, die ihre Machtstellung missbrauchen, zu trennen.

Mögliche Alternativen zu Adobe

In den nächsten Woche möchte ich mir die Creme dela Creme der Adobe Konkurrenz anschauen und dabei auf meine Bedürfnisse im Workflow prüfen. Dabei schaue ich mir an:

  • Das auf KI-Bearbeitung getrimmte ON1 Photo RAW 2024 aus Portland, welches mir wahrscheinlich auf Anhieb viel zu viel bearbeiten wird, aber mal schauen (Preis mit Rabatt 170€)
  • Affinity aus Großbritanien, das vielversprechend aussieht aber mit unter 40 Euro auch ein wenig zu günstig scheint
  • Und abschließend Capture One aus Dänemark, was ich als letztes testen werde, weil ich es am interessantesten finde. Preis liegt bei ca. 350 Euro.

In einen Folgeartikel möchte ich darauf eingehen für welches Programm ich mich entschieden habe, warum und wie der Absprung von Adobe geglückt ist. Bis dahin, gibt es hier etwas über das Struggle von FreiberuflerInnen und zu viel Zeit zu lesen.

Ausblick: Wir müssen unsere Daten jetzt schützen

Ich möchte in diesen Blogeintrag noch einmal betonen und generell Nutzer*Innen dazu animieren gerade bei Firmen, die eine Monopol-Stellung haben, in den kommenden Jahren genau hinzuschauen.

Die Gesetzeslage kommt kaum hinter dem technologischen Fortschritt hinterher und große Tech-Giganten nutzen diese juristischen Lücken aus. Das aktuelle Meta-Beispiel zeigt das so klar wie noch nie: Es werden ab dem 26.06.2024 von Bildern, Videos über die Chats sämtliche Daten für das KI-Training ausgelesen.

Als ein Nutzer, der nicht nur private und intime Nachrichten über die Facebook oder Instagram verschickt, sondern auch Bilder, die meinen Stil zeichnen, auf den Servern liegen hat, ist das ein massiver Eingriff.

Als ein Bürger der EU bin ich zwar vorübergehend davon beschützt, aber die Frage ist, wie lange und möchte ich es tolerieren, dass Millionen von Nutzer*innen außerhalb der EU, das Recht auf Datenschutz schlicht abgesprochen wird.

Im Moment besteht das Risiko das unser gesamtes geistiges Eigentum, egal ob Bilder, private Nachrichten, Videos, Musik oder Illustrationen, geklaut wird und davon sind inzwischen eben nicht nur gepostete Inhalte betroffen.

Wenn Regierungen unsere Daten nicht schützen, dann müssen wir es jetzt tun.

Persönlich würde ich es daher jeden empfehlen, der es kann, diese Plattformen zu verlassen und erst zurückzukommen, wenn die Gesetzeslage nachgekommen ist. Und es gibt Alternativen: Für Illustrator*innen z.B. die Plattform Cara, die sogar Features integriert hat, mit welchen man die Werke beim Upload durch Verschlüsselung schwerer für KI lesbar macht.

Eine klasse App, die seit Wochen einen massiven Andrang an neuen Nutzer*innen verspürt und die wir unbedingt fördern sollten. Sobald ich eine spannende für FotografInnen gefunden habe, werdet ihr es in diesem Blog erfahren.

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